Wie funktioniert Panchakarma wissenschaftlich?

Die toxischen Stoffwechselprodukte des Körpers lassen sich grob in drei Gruppen einteilen:

  • wasserlöslich
  • fettlöslich
  • Flüchtig.

Flüchtige Substanzen wie Kohlendioxid werden leicht über die Lunge ausgeschieden.

Wasserlösliche Toxine kann der Körper über Nieren, Schweiß und andere Sekrete ausscheiden.

Fettlösliche Toxine hingegen lassen sich nur schwer entfernen; die Leber übernimmt hier lediglich eine begrenzte Rolle. Daher sammeln sich diese Substanzen oft im Körper an.

Aus der modernen Medizin ist bekannt, dass Moleküle entlang eines Konzentrationsgefälles von Bereichen hoher zu Bereichen niedriger Konzentration diffundieren, wenn eine permeable Membran sie trennt.

Diffusion ist dabei ein temperaturabhängiger Prozess: Mit steigender Temperatur nimmt die kinetische Energie der Moleküle zu, und gleichzeitig werden osmotischer Druck und Permeabilität der Zellmembranen verbessert. Dieses Prinzip macht sich die Panchakarma-Praxis zunutze:

Durch die Einnahme oder äußerliche Anwendung von Ghee [1] (Oleation) entsteht ein „Lösungsmittel“ für fettlösliche Toxine. Diese wandern osmotisch in das Ghee hinein, das die Giftstoffe aufnimmt. Anschließend werden diese, jetzt an das Ghee gebunden Schadstoffe, dann durch begleitende Ausleitungsverfahren wie Schwitzen, Abführen oder Nasya effektiv aus dem Körper transportiert. Haut und Schleimhäute bieten zusätzlich hervorragende Möglichkeiten für den Austausch von Molekülen. Während die Haut eines Erwachsenen eine Fläche von weniger als 2 Quadratmetern aufweist, erstreckt sich der Verdauungstrakt über mehrere Meter und ist von einer hochdurchlässigen Schleimhaut ausgekleidet. Durch die zahlreichen Falten sowie Zotten und Mikrozotten vergrößert sich die Austauschfläche des Darms enorm – auf die Fläche eines Tennisplatzes.

Damit zeigt sich, dass Panchakarma auf klar nachvollziehbaren wissenschaftlichen Prinzipien beruht, die mit modernen Konzepten von Diffusion, Osmose und Membranpermeabilität übereinstimmen. Die Kombination aus Oleation und Ausleitung nutzt somit die natürlichen Transportwege des Körpers, um Stoffwechselrückstände effizient zu mobilisieren und auszuschleusen. [1]

[1] Eine aktuelle Übersichtsarbeit im Journal of Ayurveda and Integrative Medicine (2024) untersucht die gesundheitlichen Vorteile von Ghee sowohl aus ayurvedischer als auch moderner Perspektive. Sie betont insbesondere seine Rolle bei der Mobilisierung, Auflösung und Herausschleusung der fettlöslichen Toxine.

Warum ist das wichtig?

Die meisten Toxine, die wir aufnehmen, sind Aufgrund ihrer Affinität zu Fetten fettlöslich und werden somit in den Körperfettdepots, den Zellmembranen, dem Rückenmark, dem Gehirn und den Nerven gespeichert, was ihre Ausscheidung, wie oben beschrieben, erschwert.

Dies kann zu einer Anreicherung im Körper führen, da die Gifte dort hartnäckig und über lange Zeit verbleiben können. Beispiele für fettlösliche Toxine:

  • Schwermetallverbindungen wie Quecksilber
  • Organische Bleiverbindungen aus Abgasen
  • Wohnraumgifte wie Holzschutzmittel oder PVC
  • Weichmacher und Lösungsmittelrückstände,
  • Dioxine und Mikroplastik.

[1] Ghee = Butter aus der alles Wasser herausgekocht wurde und damit zu 100 % aus Fett besteht, und neue Eigenschaften aufweist. Hier 10 wissenschaftliche Vorteile von Ghee in einer Pubmed Studie von 2024.